Dienstag, 9. März 2010

Dialog und Konfliktlösungsversuche in Pakistan


Pakistan gilt derzeit als ein Land, wo christlich-islamischer Dialog kaum eine Chance hat. Das aber ist ein Irrtum, wie die Begegnung von islamischen Führern und christlichen Bischöfen zeigt, die sich die Dialogerfahrungen von den Philippinen zunutze machen wollen:

"In Islamabad war am 14.-15. Januar eine 21-köpfige Delegation der Bishop-Ulema Conference aus den Philippinen zu Gast, um mit pakistanischen Regierungs- und Religionsvertretern Felder einer gemeinsamen interreligiösen Kooperation zu sondieren. Nach Beratungsgesprächen verabschiedeten die Bischöfe verschiedener Konfessionen und islamische Führer und Regierungsvertreter beider Länder einen 5-Punkte-Plan. Darin wurden Ziel und erste Maßnahmen einer Kooperation beider Länder mit ihren Religionsgemeinschaften vereinbart. Der pakistanische Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, bestätigte, dass der Austausch von interreligiösen Delegationen intensiviert werden wird, um von den philippinischen Erfahrungen lernen zu können. Staatsminister Syed Yusuf Raza Gilani bestätigte diesen Weg, der Frieden und Toleranz bringen kann.

"Die Bishop-Ulema-Conference unter der Leitung von Erzbischof Fernando Capalla wurde vom pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari eingeladen, der am Rande einer UN-Versammlung die philippinische Präsidentin Gloria Arroyo um eine Kooperation in diesem Bereich gebeten hat. Die Bishop-Ulema-Conference ist ein Zusammenschluss von christlichen und muslimischen Führern, die seit 1996 in Mindanao auf politischer Ebene und in den jeweiligen Religionsgemeinschaften in Konflikten vermitteln und mittlerweile als Good Practice Modell mit Unterstützung der Föderation asiatischer Bischofskonferenzen in verschiedenen Ländern aktiv ist.

(Englischsprachige Quelle vom 15.01.2010: cathnewsasia)

Da das Christentum Minderheitenreligion im islamischen Pakistan ist, stellt die Identitätsfindung der Christen eine besondere Herausforderung dar. Dies wird von den Anfängen bis 2006 umfassend beschrieben in: John O'Brien: The Construction of Pakistani Christian Identity. Lahore: Research Society of Pakistan, University of Punjab 2006, 698 S. (Cover s.o.)

Donnerstag, 4. März 2010

Minirock gegen Burka?

Die ZEIT greift eine in Frankreich derzeit heftig geführte Dabatte um ein mögliches Burka-Verbot auf: Darf jede tragen, was sie will oder ist es im laizistischen Staat unmöglich, dass jemand mit völlig verdecktem Geicht in der Öffentlichkeit herumläuft? Wird mit einer solchen Bedeckung nicht die Frauenemanzipation mit Füßen getreten?

Den Streit angestoßen hatte Präsident Sarkozy im Juni 2009 mit der Bemerkung, dass die Burka in Frankreich nicht willkommen sei.
Vgl. dazu das Dossier in LE FIGARO.
Im Januar 2010 hatten dann eine Parlamentskommission empfohlen, den Ganzkörperschleier in der Öffentlichkeit zu verbieten
(Bericht des SPIEGEL).

Die gesamte Problematik hatte bereits die Soziologin Juliette Minces unter dem Titel "La femme voilée. L'islam au féminin" 1990 präzise umschrieben (deutsche Ausgabe bei rororo TB1983: Verschleiert - Frauen im Islam, 1992, siehe Bild), indem sie die alltäglichen Formen der Unterdrückung zur Sprache brachte, dagegen den juristischen Status der Frau im Islam hielt und mit Beispielen aus dem Maghreb und dem Nahen Osten konkretisierte.

Vgl. auch den Beiträge im INTR°A-Blog vom 10.09.08 sowie vom 10.03.09, ferner:
Google-Blog vom 23.10.09 über den Gesichtsschleier in Ägypten