Donnerstag, 13. Oktober 2016

Abdoldjavad Falaturi - Brückenbauer zwischen islamischen und europäischen Denktraditionen

Prof. Dr. Abdoldjavad Falaturi (geb. 26.01.1926 in Isfahan, gest. 30.12.1996 in Berlin) gehört zu den bedeutenden islamischen Gelehrten der Gegenwart. Ihn zeichnete eine große Sachkompetenz und Dialogoffenheit aus. Durch seine Veröffentlichungen und Forschungsprojekte gelang es ihm, die unterschiedlichen Denkweisen zwischen islamischen Traditionen und den Philosophien bzw.Theologien Europas vermittelnd darzustellen. 
In Isfahan (Iran) studierte Falaturi bereits den vielfältigen Ausbildungsgang "Islamische Wissenschaften". Er beendete ihn mit dem akademischen Idjitihad-Grad (= Kompetenz eigenständiger Rechtsfindung) in Maschad.

1954 kam der Wissenschaftler nach Deutschland, um hier Philosophie, Vergleichende Religionswissenschaft und Psychologie zu studieren. 1962 promovierte er mit einer Arbeit “Zur Interpretation der Kantischen Ethik im Lichte der Achtung” an der  Universität zu Köln. Von 1974-1991 lehrte er dort als Professor für Philosophie und Islamwissenschaften. 
Er gründete die Islamische Wissenschaftliche Akademie (IWA) zu Köln
und baute die
Kölner Schia-Bibliothek auf. Sie gehört zu den bedeutendsten Sammlungen schiitischer Literatur in Europa. 

Der private bibliothekarische Nachlass wurde von der Islamischen Akademie Deutschland in Hamburg übernommen.

Die große Wertschätzung des Kölner Professors auch durch islamische Autoritäten gipfelte darin, dass die angesehene (sunnitische) Al-Azhar-Universität in Kairo den Schiiten Falaturi zum Mitglied des "Obersten Rates für Angelegenheiten der Islamischen Welt" ernannte.

Falaturis Engagement lag darin, den Islam als gegenwärtige glaubwürdige Denk- und Lebensweise zu verdeutlichen. Dazu gehörten exegetische und historische Forschungen und die Erarbeitung religionspädagogischer Analysen.  Er wollte zugleich einen weltoffenen Islam, der sich nicht auf politische, geografische und kulturelle Abhängigkeiten einließ. Dadurch wurde er auch zu einem Brückenbauer des christlich-islamishen Dialogs und des interreligiösen Lernens. 
Herausragendes Projekt der religionspädagogischen Arbeit bildete das internationale Kölner Schulbuchprojekt, das Falaturi zusammen mit dem Religionswissenschaftler Udo Tworuschka leitete. Mit zahlreichen Mitdenkenden - auch aus der Schulpraxis - untersuchten sie Schulbücher der Fächer Erdkunde, Geschichte und Religion sowie audio-visuelle Medien. Sie analysierten die (oft falschen) Islam-Präsentationen und leiteten daraus entsprechende Folgerungen zur verbesserten Darstellung ab.  Im Blick auf die deutschen Unterrichtsmaterialien arbeitete Falaturi eng mit dem Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig  zusammen. Seinem Wirken ist es zu danken, dass nach und nach in allen offiziellen deutschen Schulbüchern der Zeit zwischen 1980 und 1990 die antiislamischen Vorurteile beseitigt werden konnten.

Literatur von und über Abdoldjavad Falaturi
  • In Vorbereitung: Mahdi Esfahani / Hamid Reza Yousefi / Parviz Falaturi (Hg.):
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    Abdoldjavad Falaturi. Die Umdeutung der griechischen Philosophie
    durch das islamische Denken.
    Würzburg: Königshausen & Neumann 2016 (4. Quartal), 240 S.
    Verlagshinweise: hier

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