Mittwoch, 21. September 2016

Christentum des Ostens - Orthodoxe und orientalische Kirchen

Orthodoxes Kreuz
 mit Christusbildnis
Der christliche Glaube entwickelte sich insbesondere durch die Missionsarbeit des Paulus und seiner Nachfolger zum weltgeschichtlichen Wendepunkt mit einer neuen Zeitrechnung (seit dem 4. Jh.).
Aber durch die faktische Sprachgrenze im Römischen Imperium (griechischer Osten / lateinischer Westen) und dogmatische Konflikte -  besonders zur Stellung Jesu (Christologie) und zur Trinität – lebten sich Ost- und Westkirchen auseinander. Neben dem Streit um die Festlegung des Ostertermins wuchs sich der “clash” um die Bilderverehrung und Ritenfragen aus (vgl. die  Ikonostase 

als Besonderheit im orthoxen Gotteshaus).

Innerhalb des vielfältigen östlichen Christentums entstanden die oströmische Reichskirche (byzantinische Kirche) sowie stärker ethnisch orientierte Kirchen.Die bekanntesten orthodoxen Kirchen sind – verbunden mit den Patriarchaten von Jerusalem, Antiochien, Alexandrien (koptisch) bzw. Konstantinopel die griechisch-orthodoxe,
später mit Moskau die russisch-orthodoxe
sowie die autokephalen orthodoxen Kirchen des Balkans.


Kretisches Kreuz
mit Paradies-Engel
Ein Teil der orientalischen Kirchen des Nahen und Mittleren Ostens wurde wegen abweichender Lehrmeinungen (wiederum die Stellung Jesu und die Trinität betreffend) aus den orthodoxen Kirchen ausgeschlossen und überlebte z.T. bis heute in den islamisch beherrschten Ländern.


Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der orientalischen Christen zeigt sich z.B. an den Nestorianern und den Aramäern/Assyrern ( =  z.T. Syrisch-Orthodoxe).
Im weitesten Sinne bezeichnet man mit den Assyrern diejenigen, die das Aramäische als liturgische Sprache benutzen:
(Maxim Edwards in Open Democracy, 17.04.2015)
Vgl. auch: Gabriele Yonan: Assyrer heute. Kultur, Sprache, Nationalbewegung der aramäisch sprechenden Christen im Nahen Osten. Verfolgung und Exil.
Hamburg-Wien: Reihe Pogrom 1978

Vgl.: Zum östlichen Christentum:  Ergänzender Überblick

Sehr bekannte altorientalische Kirchen sind die Kopten in Ägypten und Äthiopien
sowie die Armenier in Kleinasien und in der Kaukasus-Region.
--- Fotogalerie: Die armenische Geisterstadt Ani an der türkischen Grenze
Qantara.de (englisch), 11.05.2015


Doppelseite aus dem Codex Etschmiadzin (um 1000)
Im Jahr 2015 jährte sich zum 100. Mal der Völkermord an den Armeniern. Dadurch kommen auch die geschichtlichen Hintergründe und die Bedeutung der Armenischen Kirche verstärkt in den Blick.
Historischer Überblick:
Das Deutsche Reich und die "Armenier-Greuel" 1915/16
 
-- (Universität Mainz)
Es ist festzuhalten, dass seit dem 8. Jahrhundert das Verhältnis der christlichen Minderheit zur islamischen Mehrheit nie ungetrübt war, aber dass man gelernt hatte, miteinander auszukommen.


Weitere geschichtliche Informationen
    Bücherauswahl zum Thema 
  • Kenneth Cragg: The Arab Christians. A History in the Middle East.
    London: Mowbray 1992
  • Pascal Gollnisch: Chrétiens de l'Orient. Résister sur Notre Terre
    Paris: Cherche Midi 2016, 192 pp.
  • Raymond Le Coz: Histoire de l'Église d'Orient.
    Chrétiens d'Irak, d'Iran et de Turquie. 

    Paris: Cerf 1995, 441 S., Chronologien
    Rezension in France Culture mit weiteren aktuellen Ergänzungen: hier
  • Marcel Pott: Der Kampf um die arabische Seele (2012)
     --- Rezension: hier
  • Martin Tamcke: 
    Im Geist des Ostens leben (2008) 
    und
    Christliche Gotteslehre im Orient (2008)
  • Hans Georg Thümmel: Die Kirche des Ostens
    im 3. und 4. Jahrhundert. 
    Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen I/4. Berlin: EVA 1988 
  • Friedhelm Winkelmann: Die östlichen Kirchen
    in der Epoche der christologischen Auseinandersetzungen. 

    Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen I/6.
    Berlin: EVA 1980
    3. Aufl.
  • Jean-Pierre Valognes: Vie et mort des chrétiens d'Orient.
    Des origines à nos jours.
     Paris: Fayard 1994
  • Joseph Yacoub: Babylone chrétienne.
    Géopolitique  de l'Église de Mésopotamie.
     

    Paris: Desclée de Brouwer 1996, 334 S., Index
    Englische Rezension: hier

  • Michel Quenot: Les glorieux combattants. Bialystok (Pologne): Orthdruk  2015

    Les glorieux combattants
    Dès ses débuts, le christianisme a su séduire des soldats, qui choisirent alors un autre combat : St Longin au pied de la Croix, St Martin en Occident ou St Georges en Orient. Ils furent suivis de beaucoup d’autres, et la vie exemplaire de certains d’entre eux leur a valu d’être canonisés par les Eglises chrétiennes. Mais qui sont-ils, ces "saints en armes" ? Et comment, des origines à aujourd’hui, ont-ils conjugué les nécessités de la guerre avec l’exigence évangélique de la paix ?
    Les splendeurs de l’Athos et des fresques multicolores de l’Orient chrétien ...
Verbindungsbrücke zwischen westlichen und östlichen Kirchen:
STIFTUNG PRO ORIENTE (gegründet 1964 von Kardinal Franz König)

INTR°A-Tagungen seit 1990 - Dokumentation




Bis 2006 wurden wichtige Vorträge und Diskussionsergebnisse aus den Tagungen in den neun Bänden der Reihe RELIGIONEN IM GESPRÄCH
(RIG 1/1990 bis RIG 9/2006) dokumentiert.



    Übersicht der INTR°A-Tagungen 1990-2012

     Tagungsdokumentationen seit 2007

    Dokumente und Fotos im Internet abrufbar:
     

      Montag, 12. September 2016

      Interreligiöse Horizonte: Mystische Strömungen im Christentum und im Islam (aktualisiert)

      In diesem Seminar (TU Dortmund, Sommersemester 2016) sollte gezeigt werden, dass Mystik und Spiritualität interreligiöse Horizonte in Theorie und Praxis eröffnen. Mit dem Schwerpunkt auf Christentum und Islam ergaben sich folgende Intentionen:

      • Mystik, Meditation, Kontemplation (auch in Verbindung mit dem Gebet) in den religiösen Traditionen verstehen lernen.
      • Vertiefung mystischen Verständnisses an ausgewählten Texten von MystikerInnen aus Vergangenheit und Gegenwart ermöglichen.
      • Meditation und Kontemplation als Praktiken
        religiösen Lebens entdecken.
      • Möglichkeiten für die eigene Lebenspraxis
        und im Blick auf die Schule ansprechen.


        Ursprüngliche Seminarplanung

      1.Einführung allgemein und: Was ist Mystik? 
      13.04.2016

      Wer sich selbst und andre kennt,wird auch hier erkennen:
      Orient und Occident s
      ind nicht mehr zu trennen:
      Sinnig zwischen beiden Welten, 
      sich zu wiegen, lass ich gelten;

       also zwischen Ost und Westen sich bewegen, sei's zum Besten.
      Johann Wolfgang von Goethe: West-östlicher Divan, Nachtrag, 1825/26
      --- Begriffsklärungen und erste Orientierung

      --- Beispieltexte 

      1.  Andreas Gryphius (1616-1664): Der Augenblick 
       MEIN SIND DIE JAHRE NICHT
       DIE MIR DIE ZEIT GENOMMEN
       MEIN SIND DIE JAHRE NICHT
       DIE ETWA MÖCHTEN KOMMEN
       DER AUGENBLICK IST MEIN
       UND NEHM' ICH DEN IN ACHT
       SO IST DER MEIN
       DER JAHR UND EWIGKEIT GEMACHT
       


      2. Johann Wolfgang von Goethe: Gingko [West-östlicher Divan,1815]
      Original des Goethe-Gedichts
      (Wikipedia)


      Dieses Baumes Blatt,
      der von Osten meinem Garten anvertraut, 
      gibt geheimen Sinn zu kosten, wie's den Wissenden erbaut. 
      Ist es ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt? 
      Sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als eines kennt. 
      Solche Frage zu erweitern, fand ich wohl den rechten Sinn: 
      Fühlst Du nicht in meinen Liedern,
      dass ich eins und doppelt bin?


      3. Wer bin ich? Zwei Antworten?                                          


      2Mystik grenzenlos? Mit biblischen Beispielen 
      20.04.2016

      Vertrauen ist eine Oase im Herzen,
       die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird.
      Khalil Gibran: Worte wie die Morgenröte. Freiburg u.a.: Herder 1989, 2. Aufl., S. 104


      Psalmen: 91, 121,139 und
      Leben-Jesu-Geschichten: Wunder Jesu,
      Predigt von Reich Gottes / Herrschaft Gottes

      3. Gebet und Schweigen / Rheinische Mystik
      27.04.2016


      Wisset nun, all unsere Vollkommenheit und all unsere Seligkeit
      hängt daran, dass der Mensch ...

      eingehe in den Grund der grundlos ist.
      Meister Eckhart  (Der Morgenstern, aaO S. 285)


      4. Hildegard von Bingen / Rheinische Mystik (Fortsetzung)
      04.05.2016
      " ... denn die Augen sind die Fenster der Seele." 
      (Hildegard von Bingen, aus: Scivias)

      5. Hildegard von Bingen - der Film
      11.05.2016


      Und wie das Wasser alles, was in ihm ist,
      f
      ließend macht, 
      so ist auch die Seele ein lebendiger Geisthauch, der  immerfort ... den  Menschen durch Wissen, Denken, Sprechen und Wirken gleichsam fließen macht.
      Scivias 265, in: Otto Betz: Das Hildegard-Jahr. München: Kösel 1998, S. 59 

      6. Mittelalterliche Frauenbewegung: Die Beginen und Marguerite Porète
      25.05.2016
      Denn die Seele lässt sich dem Adler vergleichen, weil diese Seele hoch und immer höher fliegt, höher als alle anderen Vögel. Denn sie hat die Flügel der edlen Liebe. Marguerite Porète (um 1255 - 1310)
      7.  Mystik, Aktion und Gebet
      Teresa von Ávila, Martin Luther, 
      Gerhard Tersteegen
      01.06.2016


      Konvent der Hl. Teresa
      in Ávila
      (wikipedia.es)
      Inneres Beten ist meiner Meinung nach nichts anderes
      als ein verweilen bei einem Freund,
      mit dem wir oft zusammenkommen.

      einfach um bei ihm zu sein,
      weil wir wissen, dass er uns liebt.
      Teresa von Ávila

       

      8. Dorothee Sölle / Einführung in den Sufismus
      08.06.2016


      Wir brauchen licht - um denken zu können
      wir brauchen luft - um atmen zu können
      wir brauchen ein fenster - zum himmel
      Dorothee Sölle (1929-2003)
      Aus: verrückt nach licht. gedichte. Berlin: Fietkau 1984, S. 167
      • Nachtrag zur Mystik im Christentum:
        http://www.verlag-kreuz.de/KREUZ/elvis_img/kreuz/titel/cover/0003967960_0001.jpg                                 Dorothee Sölle:
        Mystik und Widerstand. "Du stilles Geschrei".

        Einleitung: Fulbert Steffensky.
        Freiburg u.a.: Kreuz [1997], 2014, 400 S.

        Themenfelder:
        I.   Was ist Mystik? Am Beispiel von Black Elk (1863-1950), Johan Woolamn (1720-1722) und Ramakrishna (1836-1886)
        II.  Orte mystischer Erfahrung: Natur, Erotik, Leiden, Gemeinschaft, Freude
        III. Mystik und Widerstand: Befreiung, Ich und Ichlosigkeit, Besitz und Besitzlosigkeit, Gewalt und Gewaltlosigkeit

        Folgende Mystiker werden dargestellt:
        Martin Buber, Rab'ia von Basra, Anonymus: "Die Wolke des Nichtwissens", Thomas Münzer, Harriet Beecher Stowe, Marguerite Porète, D.H. Lawrence, Johannes vom Kreuz, Beginen, Thich Nhat Hanh, Leo Tolstoi, Dag Hammarskjöld, Franz von Assisi, John Woolman, Dorothy Day, Henry David Thoreau, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Joao Cabral, Pedro Casaldáliga, Dom Helder Cámara
      • Dorothee Sölle (1929-2003): Buchrezensionen --- Texte von Dorothee Sölle und Biografie von Renate Wind (2008) 
      • Ilka Scheidgen: Mystik und Widerstand. Über die Theo-Poesie von Dorothee Sölle
      Sufismus
      Jetzt können alle Bilder und Formen
      Platz in meinem Herzen finden,
      denn mein Herz wurde eine Weide für die Gazellen,
      ein Kloster für die Mönche,
      ein Tempel für die Götzen (aus "Götter" möglich),
      eine Kaaba des Tawaf (= Umkreisung der Ka’ba),
      eine Tafel der Tora
      und ein Buch des Korans.
      Ich gehöre der Religion der Liebe (an)
      und wandele mit festen Schritten auf ihrer Karawanenstraße,
      denn Liebe ist mein Bekenntnis und mein Glaube.
      Ibn 'Arabi von Murcia (1165-1240)
      Eig. Übersetzung aus: L'interprète des désirs
      - Dolmetscher der [brennenenden] Sehnsüchte

      9. Mystische Prägungen I: Der Alawiyya-Orden
      15.06.2016

      Was du auch denkst, es wird vergänglich sein -
      Was kein Gedanke fassen kann, ist Gott.
      Aus dem Mathnavi, zit. bei Annemarie Schimmel: Rumi. Ich bin Wind und du bist Feuer, aaO S. 87

      Aus der Tradition der Sioux-Indianer
      Möge das Große Geheimnis in deinem Herzen aufgehen.
      Judy Martin / Heinz Siedler: Tag- und Nacht-Gedanken. Ein Stundenbuch. 
      Hildesheim: Gerstenberg 1990, S. 19


      10. Meditativer Campusgang
      22.06.2016
       
      Campusgang 2016:
      Die Weide als Ruhe-Insel


      11. Mystische Prägungen II:
      Mit Maulana Dschellaleddin Rumi,
      Ibn 'Arabi u.a.

      29.06.2016
      Gottes ist der Westen und der Osten;
      wohin immer ihr euch wendet, dort ist Gottes Angesicht.
      Koran, Sure 2,109
      Vision von der Gleichwertigkeit der Religionen
      Maulana (Mevlana) Dschelaledddin RUMI (1207-1273):
      • Annemarie Schimmel: Rumi. Ich bin Wind und du bist Feuer. Leben und Werk des großen Mystikers. 
        DG 20. Köln: Eugen Diederichs
        1986, 5. Aufl. u.ö., 232 S., Register
      • Rumi - Leben und Werk (Wikipedia)
      • Zwei Textbeispiele: Gott im Herzen
      • Aus Rumis Divan: 44 Ghaselen
      Mensch sein
      Muslih ad-Din Sa'di
      (um 1210 - um 1292)
      Aus: Der Rosengarten
      IBN 'ARABI von Murcia
      (1165-1240)

      •  Claude Addas:
        Ibn Arabî et le voyage sans retour.
        Seuil: Paris 1996 --- 
        als Taschenbuch: Sagesses 114, Dez. 2015, 140 p.

        -
        -- Verlagsinformation: hier  --- Rezension: hier
      • William C. Chittick: Ibn al 'Arabi and the Problem of Religious Diversity. Albany (NY, USA): State Univ. of New York Press 1994

      12. Mystik und Poesie des Orients
      06.07.2016
      Nur auf dem Pfad der Nacht erreicht man die Morgenröte
      Khalil Gibran: Sand und Schaum. Aphorismen. 
      Zürich/Düsseldorf: Walter 1999,  S. 15


       

      13. Jesus im Sufismus und weibliche Spiritualität im Islam
      13.07.2016
      „Das Bild der Sonne in einem Tautropfen ist 
      nicht weniger als die Sonne selbst. 
      Das Abbild des Lebens in eurer Seele ist nicht weniger wert als das Leben selbst.“ 
      Gibran: Garten des Propheten, S. 38

    • Annemarie Schimmel: Der Falter und die Kerze (RIG 5/1998,  S. 250-253)

    • 1. Jesus in der Poesie und im Sufismus 
      2. Weibliche Spiritualität im Islam


      14.  Mystisches heute 
      20.07.2016
      Woher ich kam, wohin ich gehe, weiß ich nicht;
      Doch dies: von Gott zu Gott! ist meine Zuversicht.

      Friedrich Rückert (1788-1866),


      Werke, Band 2, Leipzig und Wien [1897], S. 122-123
       

      MATERIALPOOL
      - auch als Anregung für Referate und Buchbesprechungen

      Literaturhinweise: Mystik im Islam und Christentum

      Lizenzbedingungen:
      Creative Commons