Mittwoch, 18. Januar 2017

Paul Schwarzenau - Vordenker einer religiösen Weltversöhnung

Zur Biografie
Paul Schwarzenau wurde am 19. September 1923 in Dortmund-Hörde geboren. Er starb am 16. November 2006 in Borghorst (bei Münster). Der 2. Weltkrieg war für ihn ein großer Einschnitt, weil er als Nicht-Kriegsbegeisterter Soldat sein musste. Bei der Offensive der Alliierten 1944 in Frankreich wurde  er gefangen genommen. Seine Internierung  eröffnete ihm jedoch eine Chance. Mit anderen jungen Wissenschaftlern baute er im Kriegsgefangenenlager Montpellier eine Art Theologisch-Philosophischer Hochschule auf. Die 1956 hier gegründete Reformierte Akademie hat sicher davon einiges als Erbe übernommen. Sie ist heute im Verbund mit  dem Institut Protestant de Théologie in Paris und Montpellier (neben der einzigen französischen Ev.-theol. Fakultät in Straßburg) Ausbildungsstätte für evangelische Theologen in Frankreich .
Nach dem Studium in Münster, wo er 1954 über Martin Buber promovierte, kam er 1957 nach Hemer (Sauerland) und blieb dort Gemeindepfarrer bis 1963. Anschließend wurde er Studentenpfarrer an der damaligen Pädagogischen Hochschule und der im Aufbau befindlichen Universität Dortmund, die 1968 offiziell gegründet wurde. In dieser unruhigen Zeit der Studentenrevolution engagierte er sich mit den Studenten und aufgeschlossenen Professoren für ein befreiendes Lernen. Als man ihn 1971 zum Professor für Ev. Theologie und ihre Didaktik an die Pädagogische Hochschule Ruhr in Dortmund wählte, merkten viele sehr schnell, dass man mit ihm einen Lehrer der besonderen Art für das Kollegium der "jungen" Universität Dortmund bekommen hatte. Er lehrte in Dortmund bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1985.
Paul Schwarzenau war 1982 Mitbegründer der
Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG e.V.) und
1989 der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A).
Zur Theologie: Grenzüberschreitendes Gottesverständnis
Schwarzenau vermittelte als Professor nicht nur Wissen, sondern machte deutlich, dass es notwendig ist, hinter dem Wissen die unergründliche Weisheit dessen zu spüren, was die Welt im Innersten zusammenhält. Darum war ihm auch der interreligiöse Austausch und die Begegnung der Religionen auf derselben geistigen Ebene wichtig. Seine Motivation brachte er so auf den Punkt:
„Alle Religionen bedürfen einander, nicht nur in ihren Gemeinsamkeiten, sondern auch in ihren Unterschieden, durch die sie einander ergänzen. Wir sollen in der eigenen Religion daheim sein und in der anderen Gäste, Gäste nicht Fremde.“
Schwarzenau wagte Grenzüberschreitungen nicht nur zwischen Theologie, Philosophie und Religionswissenschaft, sondern auch hin zur Psychologie, besonders zu C.G. Jung und zur Anthroposophie Rudolf Steiners; ja er untersuchte auch esoterische Strömungen im Blick auf ihre geheimnisvollen Zeichen der „Anderwelt.“ Er ging damit auch bewusst über rationale Welterklärungen hinaus. 

Weiteres zu Leben und Werk: 

Literatur von und über Paul Schwarzenau: Übersicht


Literaturauswahl:
  • Thesen zur Religion (ZRP 28/1973)
  • Vom Totempfahl zum Kruzifix. Vergessene Voraussetzungen unseres Weltverständnisses.
    Dortmund: Crüwell 1976 
  • Der größere Gott. Christentum und Weltreligionen. Stuttgart: Radius 1977 
  • Korankunde für Christen. Stuttgart u.a.: Kreuz 1982, 3. erw. Aufl. Hamburg: EBV Rissen 2001 
  • Welt-Theologie. Gesammelte Aufsätze. Interreligiöse Horizonte Bd. 3 (IH 3).
    Köln u.a.: Böhlau 1998 
  • Ein Gott in allem. Aufsätze zum Gottesbild der Religionen.
    Interreligiöse Horizonte Bd. 5 (IH 5). Köln u.a.: Böhlau 1999
  • GREWEL, Hans / KIRSTE, Reinhard (Hg.): Alle Wasser fließen ins Meer. Die grenzüberschreitende Kraft der Religionen. Festschrift für Paul Schwarzenau zum 75. Geburtstag.
    Interreligiöse Horizonte Bd. 4 (IH 4).
     Köln u.a.: Böhlau 1998 
Mitherausgeber
--- Religionen im Gespräch (RIG 1-9), Bd. 1-9: 1990 - 2006 --- Details: hier
--- Iserlohner Con-Texte (ICT 1-18), 1986 - 2003
und In
terreligiöse Horizonte (IH 1-5), 1998-2001 --- Details: hier




Kommentar veröffentlichen