Samstag, 17. Juni 2017

Die islamische Vordenkerin Fatima Mernissi (aktualisiert)


Die bedeutende marokkanische Soziologin
Fatima Mernissi (1940-2015) 
gehörte zu den engagierten Frauen und wichtigsten Intellektuellen in der islamischen Welt.
Sie gehört zu den beeindruckenden Frauengestalten muslimischer Modernisierung - nicht nur in den traditionellen Gesellschaften des Maghreb, sondern generell. Dabei sind ihr die humanistischen Werte, die sie auch im Koran sah, ausgesprochen wichtig mit der Forderung nach weiterer Aktualisierung. So plädierte sie für einen Islam, der der Menschenwürde - ob Mann und Frau - die Priorität einräumt. Angesichts patriarchaler Strukturen entwickelte sie eine Art islamischen Feminismus, der auch von der europäischen Frauenbewegung beeinflusst wurde.
Darum wehrte sich Fatima Mernissi mit Vehemenz gegen eine Koran-Auslegung, die die Männer den Frauen überordnet sowie eine islamistisch geprägte Frauenbewegung, die unter dem Label des Feminismus überholte Verhaltensmuster wieder einzuführen versucht.
Ins Deutsche übersetzte Titel, die bereits die Denkrichtung der Autorin zeigen und ihr  islamwissenschaftliches und gesellschaftspolitisches Engagement verdeutlichen u.a.:
  • Geschlecht, Ideologie, Islam. München: Frauenbuchverlag 1987
  • Der politische Harem. Mohammed und die Frauen. Frankfurt/M.: Dagyeli 1989
  • Die Sultanin. Die Macht der Frauen in der Welt des Islam. Hamburg / Zürich: Luchterhand 1991
  • Die Angst vor der Moderne. Frauen und Männer zwischen Islam und Demokratie. Hamburg / Zürich: Luchterhand 1992
  • Die vergessene Macht. Frauen im Wandel der islamischen Welt. Berlin: Orlanda Frauenverlag 1993
  • Harem. Westliche Phantasien - östliche Wirklichkeit.
    Aus dem Englischen von Kate Reiner. Freiburg u.a.: Herder 2000/2005

Donnerstag, 15. Juni 2017

Rüdiger Nehberg: Gegen die weibliche Genitalverstümmelung - eine interkulturelle und interreligiöse Notwendigkeit

Mit Aktionen zur Kunst des Überlebens unter schwierigsten Bedingungen ist er bekannt geworden: Rüdiger Nehberg (geb. 1935). Aber ihm geht es mit seinen spektakulären Aktionen um mehr, nämlich um die Menschenrechte - für bedrohte Völker und Menschen, deren Leben besonders gefährdet ist.
Ein beeindruckendes Beispiel ist das Projekt TARGET. Hier kämpft Rüdiger Nehberg gegen die in Ägypten und am oberen Nil sowie in der südlichen Sahara seit langen Zeiten übliche Mädchenbeschneidung. Das ist eine extrem brutale Weise, die sog. Reinheit der Mädchen bis zur Ehe zu sichern. Nehberg nennt sie darum auch pharaonische Beschneidung. 
Die Praxis der Genitalverstümmelung als Phänomen muslimischer Subkulturen hat nichts mit dem Islam zu tun, wird aber in diesen Ländern Afrikas dennoch praktiziert (übrigens auch von Christen). Diese barbarische Praxis einzudämmen bzw. zum Ende zu bringen, ist aber nur mit der Hilfe islamischer Autoritäten möglich.

Das "Goldene Buch", Vorderseite
Rüdiger Nehberg gelang es schließlich zusammen mit seiner Frau Annette, im Jahre 2006 eine Konferenz mit islamischen Autoritäten Nordafrikas und den Subsahara-Regionen an der berühmten Al-Azhar-Universität in Kairo zu ermöglichen. Hier wurde diese unmenschliche Praxis der Mädchenbeschneidung thematisiert und an Filmbeispielen demonstriert. Das führte dazu, dass die Al-Azhar Universität eine Fatwa gegen die Mädchenbeschneidung veröffentlichte. Ihr folgten weitere öffentlich richterliche Gutachten auf regionaler Ebene. Zugleich läuft seitdem ein überregionales Bildungsprogramm gegen die Genitalverstümmelung.
Als weiterwirkendes Ergebnis dient das "Goldene Buch. Die große Fatwa der internationalen Rechtsgelehrten."
Es ist respektvoll wie ein Koran gestaltet und wurde in Arabisch, Französisch, Englisch, Deutsch und in einer Reihe von Regionalsprachen sowie für Analphabeten veröffentlicht.



Das "Goldene Buch", Rückseite

Als praktische Umsetzung dieser Forderungen gegen die Genitalverstümmelung haben Rüdiger und Annette Nehberg in der Danakil-Wüste Äthiopiens eine Geburtshilfeklinik aufgebaut, die eine hoffnungsvolle Initiative zu einem selbstbestimmten Leben für Mädchen und junge Frauen bedeutet. 

Weiteres zu Rüdiger Nehberg bei Wikipedia





Verlagsneuerscheinungen in Englisch, Französisch und Spanisch

Auswahl aus Neuerscheinungslisten von Verlagsneuerscheinungen mit englischen französischen und spanischen Büchern. Die meisten dieser Verlagshäuser sind in mehreren Ländern vertreten. Sie präsentieren ein beachtliches Angebot zu den Themen Religionen, interreligiöser Dialog, religiöser Pluralismus, Spiritualität, Theologie und Religionswissenschaft:

Sonntag, 11. Juni 2017

Halle/Saale: Luther heute begegnen

(1490 in Berlin - 1545 in Mainz), verantwortlich für die Bistümer Magdeburg und Mainz, hatte sich in Halle eine neue Residenz gebaut, weil ihm Magdeburg nicht mehr gefiel.
Der Kardinal hatte mit seiner größten Reliquiensammlung in Europa die Heiligenverehrung besonders gefördert. Dafür wurde die erzbischöfliche Stiftskirche, der "Dom", speziell für die mehr als 20.000  Reliquien umgebaut. Die äußere Architekturform erinnert nun an eine riesige "Reliquienkiste", das sog. Hallesche Heilthum.

Der "Dom" zu Halle,
ursprünglich die erzbischöfliche Stiftskirche
mit der riesigen Reliquiensammlung

Außerdem brauchte der fromme Mäzen ständig Geld für seine kirchlich hochfliegenden Pläne, so dass er auch den Ablasshandel intensiv förderte = letztlich der Auslöser der Reformation. Aber der prunksüchtige Kardinal galt zugleich als bildungsinteressiert und reformwillig. Darum hatte ihm Martin Luther auch seine 95 Thesen von 1517 bereits vor dem berühmten "Anschlag" in Wittenberg geschickt !

Allerdings zeigte sich sehr schnell, dass der Kurfürst und Kardinal die lutherischen Angriffe auf seine religiös verbrämte hemmungslose Geldpolitik völlig inakzeptabel fand. So wurde er schließlich zum Gegner des Reformators.


Halle: Luther und Albrecht
Dennoch setzte Kurfürst Albrecht nicht auf Gewalt. Durch Verhandlungen mit ihm konnte die selbstbewusste Stadt Halle die lutherische Reformation endgültig einführen. Albrecht verließ darum 1541 seine Residenz, zog nach Aschaffenburg (in das dortige Schloss) und schließlich nach Mainz an seinen Bischofssitz.
Luther besuchte die Stadt Halle mehrfach. Er setzte 1541 auch den ersten lutherischen Prediger an der Marktkirche ein, den Wittenberger Theologieprofessor Justus Jonas.


LUTHER in HALLE


Marktkirche Unser Lieben Frauen -
Weitere Infos: hier 


Lutherdenkmal an der Marktkirche



















Lutherrose am Denkmal














Kanzel der Marktkirche von 1541(?):
Luther soll von ihr bereits
gepredigt haben.

Luther, Prophet Deutschlands,
Ballustrade in der Marktkirche















Justus Jonas, erster lutherischer Prediger
an der Marktkirche

Luther in Halle - nicht zu übersehen

Reformationsausstellung 2017 im "Paradies-Garten"
 der Neuen Residenz -
 von Langzeitarbeitslosen gestaltet.



Wirkungen der Reformation


Redewendungen Luthers
auf Rollen zum Herausnehmen













Bildungswirkungen der Reformation



Werte aus der Reformation entwickeln:
Wege zur Menschlichkeit



CC