Dienstag, 31. Januar 2017

Aspekte zum Islam in Europa (aktualisiert)


Angesichts der aufgeregten und oft polemischen Debatten um den Islam in Deutschland ist es sinnvoll, sich zumindest einen kleinen Überblick zur Geschichte des Islam in Europa zu verschaffen. Im Fokus steht dabei, wie der Islam Kunst, Kultur und Wissenschaft bereicherte.


ISLAM AUF DER IBERISCHEN HALBINSEL

ISLAM AUF DEM BALKAN

ISLAM IN DEUTSCHLAND

ISLAM IN FRANKREICH
Institut du Monde Arabe (IMA), Paris
Kalligrafie: Das Wissen verleiht ewige Kraft

ISLAM IN BELGIEN UND DEN NIEDERLANDEN


ISLAM IM VEREINIGTEN KÖNIGREICH
  • Übersicht (wikipedia)
  • Muslime in England seit dem 16. Jahrhundert
    (BBC Magazine, 16.03.2016)
  • Mohammed S. Raza: Islam in Britain.
    Past, Present and the Future.

    Leicester (UK): Volcano 1993, 2nd edition, 120 pp., index
  • ! Die Seltsamkeiten eines sog. Scharia-Gerichts in London:
    Ein beunruhigender Fall --- Open Democracy, 07.11.2016
  • Bonnie Evans-Hills / Michael Rusk: Engaging Islam
    from a Christian Perspective.
    Studies in Episcopal and Anglican Theology, Vol. 5. New York a.o.: Peter Lang 2015, 300 pp.
  • Interreligiöser Dialog, besonders Judentum-Islam:
    Joseph Interfaith Foundation (London)
London: Zentralmoschee (Wikipedia.en)




Samstag, 28. Januar 2017

Johann Gerhard - lutherische Orthodoxie zwischen Dogmatik und Spiritualität

Johann(es) Gerhard (geb. 17.10.1582 in Quedlinburg, gest. 17.08.1637 in Jena)  gehört zu den bedeutendsten nach-reformatorischen Theologen lutherischer Prägung. Noch nicht der Erstarrung  protestantischer Orthodoxie verfallen, ist er ein durchaus eigenständiger Denker. Er bedient sich zwar noch der Loci-Methode in seiner Hauptschrift, den Loci communes, zeigt sich schon eine gewisse analytische Kraft (vgl. die dann dominierende Analytische Methode).
Darüberhinaus war er  stark am religiösen praktischen Leben interessiert. Die einzelnen Loci, also die jeweiligen Glaubensthemen,  enden darum auch immer mit einem Abschnitt zum Gebrauch: "de usu". In der Nachwirkung seines Lehrers Johann Arndt hat er auch Erbauungsliteratur verfasst. Besonders bekannt geworden sind seine "Meditationes sacrae" 

In den theologischen Konflikten seiner Zeit hielt er sich polemisch weitgehend zurück und suchte stattdessen eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung. Das zeigt sich besonders in seiner kritischen Analyse der Werke des Jesuiten und Kardinals  Robert Bellarmin (1542-1621). Dieser war der Hauptverfechter der vom Tridentinum entwickelten Kirchenlehre.
Führend war Johann Gerhard in der Abwehr der Lehre des lutherischen Theologen Hermann Rahtmann aus Danzig. Dieser trennte die Auslegung der Bibel von der Einwirkung des Heiligen Geistes: Vor dem Verstehen der biblischen Texte ist der direkte Empfang des Heiligen Geistes notwendig (Rahtmannscher Streit). 



                                                                                          CC 

Freitag, 27. Januar 2017

Albert Schweitzer in Günsbach (Elsass) begegnen:

  
Als wäre Albert-Schweitzer (1875-1965) gerade zu seinem geliebten Kanzrain hinaufgegangen … so wirkt es auf die in das Albert-Schweitzer-Museum in Günsbach Eintretenden.
Den Mantel hat er wohl heute nicht mitgenommen ...

Das Wohnhaus Schweitzers im kleinen elsässischen Günsbach bei Colmar vermittelt nicht den Eindruck eines Museums, sondern lässt unmittelbar die große Gestalt des Theologen, Mediziners, Organisten, Urwaldarztes und Friedensnobelpreisträgers wieder lebendig werden. Immerhin sind hier alle seine Briefe archiviert, die private Bibliothek erhalten und seine Utensilien (fast) noch in Gebrauch – ein idealer Ort zum Schauen und Forschen.
In Verbindung mit dem kleinen Afrika-Museum im ehemaligen Schulhaus, in das der Schüler Schweitzer oft genug gegangen war, lohnt dieser Ausflug in das elsässische Dorf, das die globale Verantwortung in vielen religiösen und kulturellen Abschattungen widerspiegelt.



Denkmal auf dem Kanzrain 1969
von Fritz Behn,
einem Schüler Rodins





Hier oben möge ich
- in Stein gehauen -
meine Freunde empfangen;

hier mögen sie meiner gedenken.
Hier ist meine Kulturphilosophie entstanden.
Hier verstand ich Jesus in seiner Zeit.
Hier fühlte ich mich ganz zu Hause.







Offizielle Homepage
der Internationalen Albert-Schweitzer-Vereinigung (AISL)


 Weitere Lernorte: hier 

Internet-Publikationen von Reinhard Kirste ------- 1975 - 2015 (mit Hinweisen auf Print-Materialien)


1975: Die Bedeutung der 850-Jahr-Feier des Klosters Marienrode
          für eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde 

           (In: Helmut von Jan: 850 Jahre Kloster Marienrode. Hildesheim 1975, S. 22-24)

            Vgl. Zur Wirkungsgschichte des Zisterzienser-Ordens. Ein-Sichten, 29.01.2015  


1975Maßstäbe und Methoden biblischer Hermeneutik
          in der altprote
stantischen Orthodoxie
            BIJDRAGEN (36) 1975, S. 290-301


1976: Das Zeugnis des Geistes und das Zeugnis der Schrift
          - zu Johann Gerhard und Robert Bellarmin:

          Inhaltsverzeichnis und Textauszug


1981: An-Deutungen. Meditative Texte und Zeichnungen
          
Iserlohn: Mönnig 1981, 48 S., Abb. 
          Auswahl: hier


1983: Spiritualität und Elementarisierung
          als Komponenten religionspädagogischer Praxis
          unter besonderer Berücksichtigung
          des Religionsunterrichts in der Schule

          Nachrodt 1983, 323 S. (unveröffentlicht)
         Vorwort, Inhaltsverzeichnis und Einleitung


1990: Der eine und drei-eine Gott im Christentum 
        (JIB 1/RIG 1, 1990, S. 165-195 [Auszüge])

 1994: Frankreich - Der Integrismus im Streit mit der Laizität.
          Ein Beitrag zur Fundamentalismusdebatte

           (zusammen mit Silvia Bartelheimer, in: RIG 4, 1994, S. 290-323)


1999: Wie nahe ist das Ende? Apokalyptische Elemente im Islam
         mit Blick auf Judentum und Christentum
         ZGP 17. Jg., Nr. 04 (1999), S. 11-14 -
            Überabeitete Langfassung (2015) als Download    


2000: Spuren einer größeren Ökumene. Ramon Llull (Raimundus Lullus)
          und  Mallorca
         (RIG 6, 2000, S. 390-395, bearbeitet Juli 2014)

            Ergänzende Buchrezensionen (2008):
            Mittelalterliche Dialoge für heute. Averroes und Ramon Llull



2002: Die religiös plurale Situation in Deutschland
         und Folgerungen für interreligiöses Lernen in der Schule
          (RIG 7, 2002, S. 298-313)

2006: Begegnung mit anderen Religionen (Thesen)
         --- Religiöser Pluralismus und Gleichwertigkeit der Religionen
             
(Aktualisiert: 07.04.2015)  


2006: 15 Jahre West-östlicher Divan in Iserlohn 
         (RIG 9, 2006 S. 342-345) 

2007:  Rut(h) - eine Moabiterin in der Genealogie Jesu
           (Auszug aus: H.R. Yousefi / I. Braun / H.-J. Scheidgen [Hg.]:
            >Orthafte Ortlosigkeit der Philosophie<. Eine interkulturelle Orientierung.
             Nordhausen 2007, S. 511-525


2008: Christianity and the Equality of all Human Beings 
         In: Netzwerk Migration in Europa 2008
             Download auch hier 


2008: Konfessionen, Religionen und Religiosität
          in einer säkularen Gesellschaft

          (überarbeitete Fassung des Beitrags in: Philía kai Koinonía.
          Festschrift für Gregorios Ziakas. Thessaloniki 2008, S. 275-299)


2008: Zur Gleichwertigkeit der Religionen. 
           (Textzusammenstellung von verschiedenen berühmten Autoren)

2008: Versöhnte Harmonie.
         Im Gedenken an Prof. Dr. Paul Schwarzenau
 (1923-2006)


2009: Die Fabel des Jotham oder die Frage nach der Gerechtigkeit. 
           Ein Lehrstück über den Umgang mit Gewalt (Variationen zu Richter 9 – Oktober 2009)


2010: Rencontres sans réserves – des concrétions du dialogue interreligieux 
          Begegnung ohne Vorbehalte – Konkretionen des interreligiösen Dialogs
 (März 2010)


2010: Ethische und interreligiöse Orientierungen
         für eine multireligiöse Zukunft  

           (November 2010)



2010: Wunderbare Geburten: Buddha - Krishna - Jesus
           (März 2009, bearbeitet November 2010)

2011: Der Glaube an den Einen Gott
        als interreligiöse und politische Herausforderung

           (Februar 2011)

2012: Interreligiöse Ansätze in der religiösen Erziehung 
        (bearb. Februar 2012, 7 S.)
  
            Aus dem Seminar: Interreligiöses Lernen und dessen theologische Grundlagen
            (TU Dortmund, SoSe 2013)    


2012: Nicht nur Lateinamerika.
          Religiöser Pluralismus und Option für die Armen - José María Vigil

             (April 2012)

  

2012: Islamische Reformkräfte vom Mittelalter bis zur Neuzeit 
           (Dezember 2012)

2012: Raimundus Lullus: Dialog mit den Wissenschaften
         - Dialog der Religionen

          (Mai 2012)


2012: Bathseba, David und die 10 Gebote (Nacherzählung, bearbeitet August 2012)

2013: Thesen zum Religionsverständnis und zum interreligiösen Lernen
          (Erstfassung mit Paul Schwarzenau, 2003 - Neubearbeitung Februar 2013)

2013: Ethical and Interfaith Orientations for a Multireligious Future.
         - an Open Eurpean Sight.
         Homage for Ashgar Ali Engineer (1939-2013)

         Englische Neubearbeitung des Beitrags von 2010:
           Ethische Orientierungen für eine multireligiöse Zukunft
 

         Abgedruckt in:  RAJ, P. Prayer Elmo (ed.):
           
Religion, Politics and Secularism in India. 
               Essays in Honour of Ashgar Ali Engineer.
               New Delhi: Authorspress 2016, p. 247-274
         
2013: Vertiefung interreligiöser Begegnung durch
        die Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A)
        und durch die Stiftung "Onnis Religio"

          (August 2013) 


2013: Morgenimpuls im Rahmen einer Tagung (September 2013)

2013: Der Koran - Vielfalt der Übersetzungen und Kommentare
         (Sammelrezension 2011, bearbeitet: Oktober 2013)


2013: Für aktive Toleranz zwischen den Religionen
      - die Interreligiöse Arbeitsstelle   INTR°A und
        der INTR°A-Projektpreis für Komplementarität der Religionen
       
(Podcast, Radio MK, Bürgerfunk, 
November 2013


2013: Der echte Ring in Lessings Nathan 
          (Tag und Nacht Gedanken, Dezember 2013)

2014: Mystik und Sufitum - ein Überblick
          (2012, bearbeitet: Februar 2014) 

2014: Interreligiöse Zeit-Gedanken. Impressionen und Berichte
         E-Book und Print On Demand. Saarbrücken: Bloggingbooks, März 2014, 80 S.

2014: Fasten - Herausforderung und Versuchung (nach Matthäus 4,1-11)
         Tag und Nacht Gedanken, 28.03.2014


2014: Sich dem Mystischen annähern.
         Beispiele aus der Geschichte der Mystik

         Dialog der Religionen (2006), bearbeitet 07.04.2014


2014:  Tod und Hoffnung in den Religionen. Religionsgespräch.
         (Podcast, Kulturzeit MK in Radio MK, 18.04.2014) 



2014:  Jesus im Koran - islamische Sichtweisen im Dialog
              (Textmaterial, Juli 2014)


2014: Spirituelle Raumbegehungen: Kirche, Moschee, Synagoge
          (bearbeitet bei "Lernorte - kulturell - religiös - interreligiös", September 2014)



2014: Jesus als (interreligiöses) Vorbild im Christentum
          (Vortragsscript: April 2009, bearbeitet Juni 2012 / Oktober 2014) 


2014: Theomag Nr. 92 (Dezember 2014)
  • Interreligiöse Orientierungen Im Kontext global sich erweiternder Glaubenstraditionen
  • Nicht jenseits von Religion
    Zum theologischen Vorschlag der Internationalen Theologischen Kommission von EATWOT für ein post-religionales Paradigma. 
    "Nicht jenseits von Religion" ist auch publiziert in: 
    EATWOT's    International   Theological Commission,
    Volume XXXVII Nº 2014/4---New Series--October-December 2014,
    p.179-184

  • Pilgern als globales Phänomen. Das Beispiel des Jakobsweges

--- PUBLIKATIONEN 2015 (Print und online)

Iserlohner Con-Texte (ICT) - Neubearbeitungen


Dienstag, 24. Januar 2017

Wieder im Blick: Hermann Hesse - Brückenbauer west-östlicher Spiritualität

Christoph Gellner: Hermann Hesse und die Spiritualität des Ostens. 
Düsseldorf: Patmos 2005, 269 S. --- ISBN 3-491-72491-0 
Grundlage dieser Arbeit ist die Dissertation des Verfassers, die er 1997 veröffentlichte: Weisheit, Kunst und Lebenskunst. Fernöstliche Religion und Philosophie bei Hermann Hesse und Bertolt Brecht. Wenn man darüber hinaus erfährt, dass diese Arbeit von Karl-Josef Kuschel und Hans  Küng betreut wurde, ahnt man bereits, dass diese umfassende Neubearbeitung weitere wichtige Gesichtspunkte einbezieht. Diese nehmen Inter-pretationen östlicher Spiritualität auf, wie sie Hermann Hesse (1877-1962) in den Westen "transferiert" hat.
Christoph Gellner arbeitete 2000 bis 2015 im Institut für kirchliche Weiterbildung der theologischen Fakultät, Universität Luzern. Seit 2015 ist er Leiter des Theologisch-pastoralen Bildungsinstituts der deutschschweizerischen Bistümer (TBI) in Zürich. Der Autor gehört zu Wissenschaftlern, die ihre Theologie „kontextuell" verstehen. Sie denken Literatur, Theologie und Philosophie als Grenzen überschreitend - durchaus in Richtung einer Ökumene der Religionen
Hesse, der Sohn eines „Heiden-Missionars“, gehört nicht nur zu den großen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, sondern auch zu den Brückenbauern west-östlicher Spiritualität. Seine Erzählungen „Siddhartha" und Morgenlandfahrt" sowie sein Romane „Der Steppenwolf", und „Das Glasperlenspiel" sind in den 20er und in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts regelrechte Kultbücher gewesen. Sie signalisieren damit ein Zeitgefühl, das besonders unter dem Stichwort der „Krise“ auch für die Umbrüche im 21. Jahrhundert erhebliche Bedeutung haben dürfte.
In einem Vortrag merkte Gellner an: „Wie nicht zuletzt seine Beziehungen zu den lebens- und kulturreformerischen Suchbewegungen auf dem Monte Veritá belegen, bewegte sich Hesse im Strom einer weitverbreiteten Suche nach einer neuen Einheit von Rationalität und Mystik, welche abendländische Aktivität mit östlicher Selbsterkenntnis uns kontemplativer Versenkung verbinden sollte“.
(Tagungsprotokolle der Ev. Akademie Iserlohn zu einer Tagung mit dem Thema „Von ‚Siddharta’ zum ‚Steppenwolf’. Fremdheitserfahrung und Weltethos bei Hermann Hesse“
im November 2003, Iserlohn 2004, S. 109).
Man fühlt sich fast an Goethes Orient-„Orientierung“ erinnert, wenn man bedenkt, wie intensiv und literarisch produktiv er sich mit fernöstlicher Weisheit und Religion auseinandergesetzt hat. Allerdings hat Hesse lebenslang an den Themen Orients festgehalten, mit besonderem Blick auf Indien und China. Sorgfältig geht Gellner darum unter der Frage „Asien als Alternative?“ den Anfängen Hesses biografisch nach, um dann auf dessen Lektüre chinesischer Klassiker, aber auch auf die psychische Bedrohung und Entwicklung Hesses im Blick auf Zivilisations-Chaos und auf Befreiungsansätze von Taoismus und Psychoanalyse zu kommen. Der Weg geht jedoch weiter hin zu mystischen Grunderfahrungen im Rahmen seiner „Theanthropologie“ (S. 163ff). Immer wieder geraten dabei Ethik und Ästhetik in Spannung zueinander, bis Hesses späte Begegnung mit dem Zen heilsame „Reduktion“ und gleichzeitig Aufbruch bringt: „Offene Weite nichts ist heilig“ (S. 222).
„Sammle dich und kehre ein,
Lerne schauen, lerne lesen!
Sammle dich und Welt wird Schein.
Sammle dich und Welt wird Wesen“
(X, 394 = S. 224)
Gellner nun legt auf einen zuweilen vernachlässigten Gesichtspunkt sein besonderes Augenmerk, den er am Schluss unter der Überschrift „Westöstliche Verflechtungen: Anstiftung zum Dialog“ (S. 226ff) thematisiert und damit auf eine veränderte Situation im Blick auf die Begegnung der Religionen aufmerksam macht:
„Im Pluralismus heutiger Welterfahrung bedeutet religiös sein unausweichlich interreligiös sein. Mit der Bejahung der Pluralität der Religionen als Ausdruck von Gottes Willen gegenüber der Menschheit wird man die zwischen ihnen bestehenden inhaltlichen Differenzen und einander widerstreitenden Wahrheitsansprüche gerade nicht vernachlässigen oder gar vergleichgültigen. Auch wenn sich Hesse daran weit weniger interessiert zeigte als an ihren Religionen- und Kulturen übergreifenden Verflechtungen, wird man sich von den zukunftsweisenden Impulsen seines ökumenischen Denkens und Schreibens dennoch inspirieren lassen können“ (S. 237f). Gerade weil angesichts der vielen auch religiös motivierten Konflikte weltweit der interreligiöse Dialog politische Notwendigkeit im 21. Jahrhundert geworden ist, hat ein Vordenker wie Hermann Hesse umso mehr Gewicht, als er die Begegnung mit dem Osten als empathischer Mensch sucht, auch wenn mancher ihm allzu viel westliche Romantik unterstellen wollte. Hermann Hesse hat vorgedacht und Christoph Gellner wird in diesem Buch nicht müde darauf zu verweisen, dass der Gedanke der Komplementarität der Religionen (auch wenn er diesen Ausdruck nicht gebraucht) einen Ausweg aus den Sackgassen sich befehdender Wahrheits- und Absolutheitsansprüche bietet. Bereicherung und Ergänzung durch die Erfahrungs-traditionen des Ostens wir stehen erst am Anfang dieses Versöhnung stiftenden Lernprozesses.
Weiterführende Literatur: https://www.hermann-hesse.de/literatur
Vgl. die Kurzrezensionen bei „Perlentaucher.de“: https://www.perlentaucher.de/autor/hermann-hesse.html
Auf zwei Titel sei jedoch besonders aufmerksam gemacht. Das eine Buch ist sozusagen ein Hesse-Asien-Reader, der wichtige Schwerpunkte von Hesses dialogischem Begegnungselementen wiedergibt:             
Volker Michels (Hg.): Hermann Hesse. Blick nach dem Fernen Osten.
Erzählungen, Legenden, Gedichte und Betrachtungen.  -------------------------------- Frankfurt/M.: Suhrkamp 2002, 486 S.

Besonders beeindruckend ist ferner die Dissertation des Chinesen Zhuang Ying Chen (von 1997), der die Hinwendung Hesses zur östlichen Spiritualität mit östlichen Augen sieht und zeigt, wie selbst Missionare (und Sinologen) wie Richard Wilhelm einen Dialogprozess bei den Nachkommenden in Bewegung setzen können, um so vom immateriellen Reichtums Indiens und Chinas kulturübergreifende Impulse zu gewinnen:
Zhuan Ying Chen: Asiatisches Gedankengut im Werke Hermann Hesses. Europäische Hochschulschriften, Reihe I:
Deutsche Sprache und Literatur,
Bd. 1644. Bern u.a.: P. Lang 1997, 192 S.
Reinhard Kirste


Rz-Gellner-Hesse, 16.12.06, aktualisiert, 24.01.2017